Zuhausekraftwerk

Kleine Heizanlagen zur Kraft-Wärme-Koppelung für den Privathaushalt gibt es seit einiger Zeit auf dem Markt.  Schon seit  den 80er Jahren finden solche Anlagen in strukturschwächen Gegenden in Kanada ihre Anwendung.  Die Kraft-Wärme-Koppelung gilt in Fachkreisen seit langer Zeit schon als eine der zukunftsträchtigsten Arten der Stromerzeugung, weil bei jeder Stromproduktion über thermische Verfahren auch Wärme anfällt, die zur Stromerzeugung nicht genutzt werden kann. Diese Wärme für andere Zwecke genutzt, zu Heizzwecken, als Prozesswärme in der Industrie oder zur Kühlung, dann ist die erzielte Energieausbeute pro eingesetzte Einheit Primärenergie erheblich besser, als wenn diese Wärme als Abwärme verpufft.

Bei einer Hausheizung ist es umgekehrt. Sie ist eigentlich dafür vorgesehen, ein Haus zu beheizen. Schafft man es, durch die eingesetzte Primärenergie auch noch Strom zu erzeugen und sinnvoll zu nutzen, dann tritt auch hier derselbe Effekt auf wie bei einem Kraftwerk, das hauptsächlich der Stromerzeugung dient: Die Energieausbeute wird wesentlich verbessert, der CO2 Ausstoß pro erzeugte und genutzte Energie wird herabgesetzt und so ein Beitrag zur CO2 Minimierung geleistet, der gleichzeitig noch dem eigenen Geldbeutel zugute kommt. Dabei ist es unerheblich, welche Primärenergie zum Einsatz kommt. Öl, Gas oder nachwachsende Rohstoffe wie Holz, Pellets oder Biokraftstoff, bei jedem Energieträger wird durch Einsatz der Kraft-Wärme-Koppelung auf jeden Fall die erreichte Energieausbeute verbessert, damit weniger Primärenergie verbraucht und die Umweltbilanz verbessert.

Das Lichtblick Zuhausekraftwerk

Einen völlig neuen Aspekt bringt der Ökostromanbieter Lichtblick zusammen mit dem Volkswagenkonzern nun in die Diskussion um den im Zuhausekraftwerk erzeugten Strom. Ein grundlegendes Problem bei der dezentralen Stromerzeugung ist die sinnvolle Nutzung des erzeugten Stromes bei der Einspeisung ins öffentliche Netz. Dies gilt nicht nur für die Kraft-Wärme-Koppelung zuhause, das gilt genauso für die kleinen Photovoltaikanlagen, Windräder oder Miniwasserkraftwerke. Immer ist es für die abnehmenden Stromversorger ein Steuerungsproblem, wenn sie den Strom dann abnehmen müssen, wenn die Sonne scheint, der Wind weht, das Miniwasserkraftwerk gerade genug Wasser zum Betrieb hat. Das Energieunternehmen muss Kraftwerkskapazität vorhalten, wenn die alternativen Energien keinen Strom liefern und diese aber auch schnell genug wegschalten können, wenn geliefert wird. Das ist steuerungstechnisch nicht ganz einfach und da dabei immer auch Energieverluste entstehen, verringert es die Leistungsfähigkeit der alternativen Energien.
Lichtblick und VW wollen nun versuchen, eine große Zahl von kleinen Zuhausekraftwerken steuerungstechnisch so zusammen zu schalten, dass sie genauso effektiv genutzt werden können, wie ein Großkraftwerk und auch eine vergleichbare Leistung bei wesentlich effektiverer Primärenergienutzung liefern. 100 000 Kleinkraftwerke wollen Lichtblick und VW vernetzen und damit zwei Megawatt elektrische Leistung erzeugen, soviel wie zwei Kernkraftwerksblöcke. „Schwarmstrom“ nennt die Lichtblick PR Abteilung das, nach einem Fisch- oder Vogelschwarm, der sich aus vielen einzelnen Individuen zusammensetzt aber als Ganzes reagiert.

Das Zuhausekraftwerk von Konsumentenseite betrachtet

Lichtblick bietet seinen Kunden an, das Zuhausekraftwerk an zwei Tagen zu einem Festpreis von 5 000 Euro zu installieren. Das Kraftwerk bleibt im Besitz der Firma Lichtblick, die auch für Wartung, Gaslieferung und Kaminkehrer aufkommt. Lichtblick verkauft dem Kunden Wärme zu einem Preis von zur Zeit 5,79 Cent pro Kilowattstunde plus einem Grundpreis von 20 Euro. Alle Preise inklusive Mehrwertssteuer. Der Wärmepreis ist an den Gasindex gebunden, somit für den Kunden Schwankungen unterworfen, die aber transparent belegt werden. Im Gegenzug bezahlt Lichtblick eine Miete für den Heizungsraum in Höhe von 5 Euro im Monat und eine Vergütung für den eingespeisten Strom in Höhe von 0,5 Cent pro eingespeiste Kilowattstunde. (Stand: 03/2010)

Die kleinste Einheit, die Lichtblick mit ihrem Zuhausekraftwerk versorgen kann, liegt bei einem Jahresverbrauch von 45 000 kWh im Jahr, was nach Angaben von Lichtblick einem großen Einfamilienhaus oder einem Zweifamilienhaus entspricht. Legt man diesen Verbrauch und eine Stromproduktion von 25 000 kWh zugrunde, errechnet sich beim Lichtblick Angebot ein Preis von ca. 2650 Euro Heizkosten pro Jahr. Davon wären noch die Kaminkehrerkosten in Abzug zu bringen, die Lichtblick übernimmt. Der Gaspreis für die gleiche Wärmemenge, ohne Stromproduktion liegt je nach Anbieter zwischen 1932 und 3494 Euro im Jahr (Gaspreise für Hamburg zugrunde gelegt). Man kann also sagen, dass sich das Lichtblick Angebot preislich im Mittelfeld einordnet. Da allerdings keinerlei Wartungskosten mehr anfallen, weil diese mit dem Grundpreis abgedeckt sind, rückt das Angebot eher in die Spitzengruppe vor.

Vor- und Nachteile für den Konsumenten

Welche Vorteile ergeben sich für den Kunden? Er erhält für 5 000 Euro Investitionskosten eine moderne und extrem umweltfreundliche Gasheizung, mit theoretisch unbegrenzter Haltbarkeit, denn sie bleibt im Eigentum von Lichtblick und wird von dort gewartet, repariert und gegebenenfalls auch ersetzt. Der Wärmepreis ist konkurrenzfähig und transparent. Die klimarelevante CO2 Bilanz der Heizung ist fast konkurrenzlos gut.
Nachteile: Der Wärmepreis ist zwar transparent aber im Moment bei den niedrigen Ölpreisen nicht extrem günstig. Außerdem ist er vom Kunden nicht beeinflussbar. Ein Anbieterwechsel ist zwar schon nach zwei Jahren Vertragsbindung möglich aber wer will schon nach zwei Jahren wieder eine neue Heizung einbauen. Die 5 000 Euro Investitionskosten wären dann weg. Der größte Nachteil für umweltbewusste Kunden in vielen Regionen Deutschlands: Das Ganze funktioniert nur dort, wo es einen Anschluss an die Gasversorgung gibt, also in den Städten und Ballungsräumen, nicht aber auf dem flachen Land.


Fazit:
Das Lichtblick Angebot ist für Kunden mit Gasanschluss eine sehr interessante Sache. Für Kunden die umweltbewusst denken, dürfte die Sache keine Frage sein. Aber auch wer mit spitzem Stift rechnet, wird zu dem Schluss kommen, dass das Angebot langfristig ganz sicher interessant wird.