Pflanzenölheizungen Varianten

Pflanzenölheizungen werden mit unterschiedlich starken Heizleistungen für alle möglichen Einsatzzwecke angeboten und können überall da Anwendung finden, wo auch eine herkömmliche Ölheizung verwendet werden kann. Sie eignen sich für die Verwendung im Einfamilienhaus ebenso wie in Mehrparteienhäusern oder auch in Gewerbegebäuden, von Gebäuden für den Einzelhandel bis hin zu großflächigen Industriegebäuden. Welche Heizleistung für den eigenen Bedarf am geeignetsten ist, lässt man am besten einen Heizungsfachmann feststellen. Generell sollte man sich eher für eine nicht zu leistungsstarke Heizung entscheiden, da eine Überdimensionierung der Heizleistung die Einspareffekte einer modernisierten Heizungsanlage schnell wieder zunichte macht.

Bei den für das Heizen mit Pflanzenöl geeigneten Brennern unterscheidet man grob in zwei Varianten: Den Brenner für eine bestimmte Ölsorte – fast immer handelt es sich dabei um Rapsölbrenner – und den Multiöl- oder Universalölbrenner, mit dem sich eine Vielzahl von unterschiedlichen Ölsorten zum Heizen verwenden lässt.

Rapsölbrenner
Bei Rapsölbrennern, die nach einem leicht abgewandelten Druckzerstäuberprinzip funktionieren, darf ausschließlich qualitativ geeignetes Rapsöl verwendet werden. Qualitätsstandards für Heizpflanzenöl hat der LTV-Arbeitskreis „Dezentrale Pflanzenölgewinnung“ Weihenstephan erarbeitet. An diesen Standards oder der Vornorm DIN 51605 für Pflanzenölkraftstoff kann man sich beim Brennstoffkauf orientieren.
Rapsölbrenner bieten meist eine geringere Leistung als Multiölbrenner, die aber für den Hausgebrauch in der Regel ausreicht. Im Vergleich sind Heizungen, die ausschließlich mit Rapsöl betrieben werden, preiswerter als universelle Heizungen. Dafür ist man mit ihnen natürlich weniger flexibel und hat beispielsweise bei Preisschwankungen keine Alternativen. Auch bei temporärer Rohstoffknappheit, wie sie auch bei Pflanzenölen gelegentlich vorkommen kann, hat man mit einem reinen Rapsölbrenner keine Wahlmöglichkeiten. Dauerhafte Rohstoffknappheit muss bei Rapsöl und den anderen Pflanzenölen allerdings niemand befürchten, im Gegensatz zu fossilen Energieträgern können Pflanzen schließlich immer wieder neu angebaut werden und so den Nachschub sichern.

Multiölbrenner / Universalbrenner
Multiölbrenner arbeiten nach dem Venturiprinzip, dass das Arbeiten mit Flüssigkeiten und Gasen mit verschiedenen Eigenschaften erlaubt und ermöglichen so das Heizen mit unterschiedlichen Ölen. Einer der Hauptunterschiede verschiedener Öle ist die unterschiedliche Viskosität, Öle sind also unterschiedlich dick- oder dünnflüssig. Während der Rapsölbrenner nur Öl einer Viskosität verarbeiten kann, lassen sich mit Multiölbrennern Öle verbrennen, die unterschiedliche Eigenschaften besitzen und auch unterschiedlich flüssig sind. Je nach Brenner eignen sich die Geräte für den Einsatz von einigen oder auch für eine Vielzahl von unterschiedlichen Öltypen. Zur Verwendung können hier nicht nur die Öle der einzelnen Ölpflanzen wie Raps-, Sonnenblumen-, Erdnuss- oder Sojapflanzen kommen. Auch herkömmliches Heizöl kann beim Multiölbrenner genutzt werden. Während einige Geräte bei einem Wechsel des Brennstoffes eine Umstellung erfordern, stellen sich andere Multiölbrenner automatisch auf die Erfordernisse des gerade verwendeten Brennstoffes ein. Zudem lassen sich die Öle bei manchen Universalölbrennern in jedem beliebigen Verhältnis mischen.

Manche Pflanzenölheizungen erlauben auch die Verwendung von Pflanzenfetten und sogar Frittierfett kann mit einigen Universalbrennern als Heizmaterial weiterverwertet werden. Hier ist jedoch eine sorgfältige Filterung des Brennmaterials erforderlich, damit es nicht zu Verstopfungen kommt.
Trotz der höheren Anschaffungskosten bieten Universalbrenner damit enorme Kostenvorteile, da flexibel auf schwankende Preise am Markt reagiert werden kann. Besonders Heizungen, die sich auch mit Frittieröl oder -fett befeuern lassen, ermöglichen ein kostengünstiges Heizen, da Gewerbebetriebe, die mit Frittierfett arbeiten, dieses meist umständlich entsorgen müssen und Abnehmer daher gern gesehen sind.
Auf Grund der unterschiedlichen Viskositäten der verschiedenen Brennstoffe müssen Multiölbrenner mit der Möglichkeit zur Vorwärmung ausgestattet sein.

Bei der Wahl der Brennstoffe sollte man beachten, dass einige Pflanzenöle stark in der Kritik stehen. Vor allem das Heizen mit Palm- und Sojaöl wird aus ökologischer Sicht extrem kritisch betrachtet. Das liegt nicht nur im hohen Transportaufwand begründet, der nötig ist, um die Öle aus den weit entfernten Herstellerländern hierher zu befördern. Gerade für die Palmöl- und Sojaproduktion werden in den Herkunftsländern für den Anbau riesige Flächen von Regenwald zerstört, um Platz für die Plantagen zu schaffen. In einigen Ländern Südostasiens und Südamerikas ist der Ölpalmenanbau mittlerweile die Hauptursache für den fortschreitenden Verlust des Regenwaldes und auch der Sojaanbau richtet in vielen Regionen erhebliche Umweltschäden an. Bei Brandrodungen werden zudem erhebliche Mengen an CO2 freigesetzt, sodass der ökologische Nutzen, den das Heizen mit Pflanzenöl verspricht, hier glatt ins Gegenteil verkehrt wird. Auch der Einsatz von Kunstdüngern und Pestiziden im großen Stil wirkt sich schädlich auf die Umwelt aus. Die Schadstoffe gelangen in den regenreichen Gebieten schnell in Flüsse und ins Grundwasser und fügen den lokalen Ökosystemen und auch der ansässigen Bevölkerung nachhaltigen Schaden zu. Zudem geht die Schaffung neuer Anbauflächen nicht selten mit der Entrechtung und Enteignung der lokalen Bevölkerung einher.

Das Augenmerk sollte sich also aus ökologischer wie auch sozialer Sicht vor allem auf Pflanzenöle aus heimischem Anbau richten. An erster Stelle steht hier das heimische Rapsöl. Raps fördert in der Fruchtfolge den Humusaufbau und wird daher von vielen Bauern, vor allem von Bauern, deren Schwerpunkt im Getreideanbau liegt, gerne in die Fruchtfolge aufgenommen.

Lange Jahre war der Anbau von Raps als nachwachsendem Rohstoff auch eine Möglichkeit für die Bauern, von der EU-seitig verordneten Flächenstilllegung betroffene Äcker zu bewirtschaften. Die Festlegung von Stilllegungsflächen hatte die Verringerung landwirtschaftlicher Überproduktion zum Zweck. Auf diesen Flächen durften keine Lebens- oder Futtermittel angebaut werden. Der Anbau nachwachsender Rohstoffe war aber erlaubt. Der Anbau von Raps als erneuerbarem Energieträger war daher ein nicht unbedeutender Wirtschaftsfaktor. Im Jahre 2009 kam es allerdings zur Abschaffung der Verordnungen von Flächenstilllegungen.

Nichtsdestotrotz zählt heimisches Rapsöl nach wie vor zu den ökologisch vorteilhaftesten Brennstoffen unter den Pflanzenölen und fördert darüber hinaus die hiesige Ökonomie.
Wer auch sein Auto auf den Betrieb mit Rapsöl umgestellt hat, hat zudem den Vorteil, dass er mit dem Brennstoff für die Heizung auch gleich seine eigene Tankstelle zu Hause hat.